Der Torf aus dem Hahnenmoor

Für die Menschen der Umgebung war das Hahnenmoor für lange Zeit überlebenswichtig. Denn aus dem Moor konnten sie den Torf gewinnen, welches sie als Brennmaterial nutzten. Bis zu 700 Familien aus 50 Ortschaften sollen sich angeblich Torf aus dem Hahnenmoor gestochen haben.

Gestochen wurde der Torf zwischen Mitte April und Ende Mai, wenn die Frühjahrssaaten eingesät und die Kartoffeln eingepflanzt, aber noch nicht mit Heuernte begonnen wurde. Dann strebten die Bewohner der umliegenden Ortschaften meist zu Fuss oder mit dem Rad ins Moor zum Torfstechen, denn es kostete „nur“ ihre Arbeit. Spätestens um sieben Uhr begann die Arbeit im Moor und sie ging meist bis sechs Uhr abends.

Bevor das eigentliche Torfstechen beginnen konnte, musste der sogenannte „Sudden“ abgeschält werden. Dies war die oberste heidedurchwachsene Schicht. Dann erst grub der Torfstecher den Torf mit dem langen, schmalen Torfspaten Schicht um Schicht nach unten. Zuerst war dies der Weißtorf und dann der tiefer liegende Schwarztorf. Den unten liegenden Torf konnte der Torfstecher nicht mehr mit dem Torfspaten holen, sondern musste dafür die breitere und kürzere Brockenschaufel verwenden. Im Normalfall sollte ein Torfstecher 3000 Torfstücke am Tage schaffen, die einen Fuß lang und einen halben Fuß breit waren. Die Torfträger, meist Frauen, legten dann den nassen und brüchigen Torf mit Torfforken auf das Feld zum Trocknen. Diese Arbeit dauerte je nach Anzahl der Feuerstellen, welche die Familie heizen musste, ein bis zwei Wochen.
Im Sommer wurde der Torf noch zweimal umgeschichtet, so dass er besser trocknen konnte. Dies nennt man das Torfringen. Im Frühherbst wurde dann der größte Teil des Torfes auf den Hof geholt. Dies wurde mit dem Wagen erledigt, wobei es schwierig werden konnte, je nachdem wie feucht der Untergrund war.

In den dreißiger Jahren wurde immer weniger Torf zum Heizen verwendet. Nur noch in den Nachkriegsjahren wurde vermehrt im Hahnenmoor Torf gegraben, denn es war zu dieser Zeit das einzige verfügbare Heizmaterial.

Quelle: Herzlake 1000 Jahre – Geschichte eines Kirchspiels, 1992